15. Oktober 2010

Fritzi: Ich heisse jetzt Johanna Luisa

So, ich bin nun schon 5 Wochen alt und komme endlich dazu, mal wieder zu schreiben. Nachdem ich bei Mama ausgezogen bin, heisse ich Johanna Luisa, aber wer mag, kann mich weiterhin Fritzi nennen. 12 Tage zu früh habe ich mein Mietverhältnis fristlos und ohne Vorwarnung gekündigt, weil ich es einfach vor Langeweile und Enge nicht mehr ausgehalten habe. Ausserdem lagen ständig fremde Babys auf meiner Hütte, von denen Mama immer so begeistert war. Da bin ich ganz arg eifersüchtig geworden und habe mir vorgenommen, mich schnell auf den Weg zu machen. Mama hatte sich sehr gut auf meinen Auszug vorbereitet, indem sie auf großen Bällen rumgedopst ist und mit fremden Frauen im Chor geatmet hat. Sie fand das anscheinend sehr lustig, denn sie musste währenddessen immer viel lachen.

Am Tag vor meinem Auszug habe ich mich recht ruhig verhalten und erstmal ein bisschen den Abriss meiner Hütte vorbereitet. Mama war mit ihrer Freundin Kaffee trinken, wobei sie zum ersten Mal etwas Seltsames bemerkte, sich aber nicht weiter Gedanken darüber gemacht hat.
Abends waren Freunde zu Besuch, und Mama hat eine Flasche alkoholfreien Sekt getrunken. Währenddessen habe ich mich weiter unauffällig verhalten. Die anderen sind dann noch tanzen gegangen, aber Mama wollte ihre Kugel nicht mehr so rumschaukeln und ist zu Hause geblieben. Um 2.40 Uhr habe ich dann mit dem Abriss meines Hauses begonnen und meine Wohnblase gesprengt. Wie mit der Hebamme besprochen, ist Mama ruhig geblieben und hat erstmal die Spuren meines Auszuges weggeputzt, den Erzeuger angerufen, der mit dem Taxi kam, und dann ging es ins Krankenhaus. Da waren viele jammernde Frauen. Aber wir mussten erstmal in ein ruhiges Zimmer, da ich erst am Anfang meines Weges war. Da es so dunkel und eng war, habe ich es mir kurzzeitig doch anders überlegt und wollte umkehren, aber meine Wohnung war ja leider schon gesprengt und ich konnte nicht zurück. Irgendwann hat Mama dann ein sehr komisches Gewand anbekommen und musste sich auf ein sehr großes Bett legen. Dann kam die engste Passage, was mich sehr gestresst hat, Mama und den Erzeuger übrigens auch, denn seine Hand wurde gequetscht, und er wurde angeschrien. Doch dann hat sie mich quasi rausgeschossen und sich vorgenommen, dass ich ein Einzelkind bleiben werde, allerdings weiss ich noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finde. Die Tante, die mich um 9.55 Uhr am Ausgang in Empfang genommen hat, meinte nämlich, Mama wäre fürs Kinderkriegen geschaffen, das fand sie blöd, war aber viel zu gestresst, sich wirklich darüber aufzuregen. Sie hat mich dann Mama auf den Bauch gelegt, ich bin hochgekrabbelt und habe sie mit großen Augen angeschaut, sie mich auch. Nachdem ich dann ein schickes Outfit anbekommen habe, sind wir dann zurück in unser altes Zimmer. Mama ist dann vor Begeisterung den ganzen Tag herumgelaufen und hat mich in einem durchsichtigen Plastikwagen stolz durch die Gegend geschoben. Ich war im Gegensatz zu ihr total erschöpft und habe erstmal trotz ständigen Besuchs den ganzen Tag geschlafen. Meine Omas und Opas waren da, Linus, mit dem ich mal verkuppelt werden soll, habe ich auch geortet, allerdings nicht gesehen, nur gerochen. Aber mittlerweile kann ich schon genauso gut furzen wie er.

Nach drei Tagen sind wir dann nach Hause gegangen. Seitdem habe ich ein 24-Stunden Wellnessprogramm mit Animation. Ich brauche nur schreien und alles wird sofort erledigt, Wäscheservice, all-you-can-eat Luxusmilchbar und Ölbad, alles ist vorhanden. Prima! Viel besser als in meiner dunklen alten Behausung. Ausserdem darf ich exklusiv auf Mamas Bauch schlafen, und das hoffentlich für den Rest meines Lebens.


Mama und Papa sind sehr von mir entzückt, auch wenn ich wie eine Kreissäge schreie und laut schnarche. Obwohl sie kein Paar mehr sind, kümmern sie sich gemeinsam um mich, und Mama sagt, dass diese Beziehung das schönste Happy End hat, das man sich vorstellen kann, nämlich MICH!