1. August 2010

Fritzi: Am Meer war es schön!


Vor ein paar Wochen war ich zum ersten Mal am Meer. Es war anscheinend ein kaltes Meer, denn Mama hat immer ziemlich lange gebraucht, um ins Wasser zu gehen. Dank der guten Wärmeisolierung meiner Hütte habe ich davon nichts gemerkt. Wenn sie dann endlich nach längerem Jammern im Wasser war, wurde ich durchs Wasser geschippert. Leider habe ich ja keine Fenster an meiner Wohnung und konnte so nur raten, was da draussen zu sehen gewesen wäre. Im nächsten Jahr werde ich vielleicht selbst schon mit Hilfsmitteln im Meer schwimmen, da ich das alleine noch nicht können werde. Einen Schwimmstil namens Delphin fand ich besonders interessant, weil es hoch und runter ging, was mir sehr viel Spass gemacht hat. Meine Hütte bekam während der Zeit einen braunen Aussenanstrich, und ich konnte so richtig gut ausspannen, Mama übrigens auch. Leider war der Urlaub viel zu schnell rum, und wir mussten wieder arbeiten gehen. Da Mama bei der Arbeit ein bisschen weniger redet als sonst, bin ich immer höchst gelangweilt und mache mich öfter bemerkbar. Als Mama ein Grafiktablett kaufen wollte, meinte der Firmencomputermensch, dass sie für so etwas bald eh keine Zeit mehr hätte. Mir gefällt das sehr, wenn ich alle Aufmerksamkeit bekomme.

Nun müssen wir nur noch eine Woche arbeiten gehen, dann beginnt unser Mutterschaftsurlaub. Mama hat schon ganz viele Pläne, was sie in ihrer freien Zeit alles machen will, aber ich denke, ich mache ihr da einen Strich durch die Rechnung, denn schliesslich bekommt sie diesen Urlaub ja wegen mir, und ich habe vor, mich in der nächsten Zeit noch zu verdoppeln, nicht von der Größe, aber vom Gewicht her. Aktuell bin ich 40cm groß und 1900g schwer. Laut der Fotografin oder Frauenärztin, wie sie Mama nennt, bin ich perfekt. Mein Erzeuger war nun auch einmal bei einem Fotoshooting dabei. Er hat sehr viel geredet, was anscheinend normal für ihn ist, aber wenn er soviel redet wie bei dem Besuch, scheint er wirklich aufgeregt gewesen zu sein, meint Mama. Allerdings blieb er ansonsten sehr cool und hat sich viel für meine inneren Organe interessiert. Da ich die Plazenta als Kopfkissen benutze, spürt mich Mama nur, wenn ich extreme Wendungen mache. Als sie mich einmal sehr lange nicht gespürt hat, bekam sie Angst und ging ins Krankenhaus, aber mir geht's ja immer gut, und sie war nach der Untersuchung beruhigt und hat mich gebeten, öfter mal kräftig zuzutreten.


Linus, der Sohn von Mama's Freundin ist nun schon ausgezogen und kommuniziert mit seinen Eltern auf eine andere Art als ich das momentan mache. Ich darf noch nicht ausziehen, habe es auch ehrlich gesagt gar nicht so schnell vor, denn Mama macht schon wieder Vorschriften. Erstens soll ich mich richtig drehen, denn sie will sicher gehen, dass wir auch in der Steinzeit überlebt hätten. Zweitens soll ich mich beeilen, länger als fünf Stunden pressen will sie nicht. Das sind ihre Regeln, aber ich sehe das ganz anders. Ersten weiss ich gar nicht, was richtiges Drehen ist, und zweitens lasse ich mir soviel Zeit, wie ich will, denn hetzen lasse ich mich nicht, auch wenn sie noch so ungeduldig ist. So sieht's aus!