7. Juli 2010

Fritzi: Mir ist so langweilig!


Mittlerweile bin ich sechs Monate alt, und es wird in meiner Behausung trotz ständigem Renovieren immer enger. Wie ich mich auch drehe und wende, es ist einfach zu wenig Platz. Mamas Organe habe ich schon auf den Dachboden verbannt und befinde mich ständig in Startposition, aber niemand lässt mich raus! Manchmal klopfe ich auch ganz schön kräftig, aber alles wird ignoriert, deshalb versuche ich es mir so gemütlich wie möglich zu machen und schlafe den ganzen Tag oder mache mich aus Protest einfach ganz schwer.

Mama erlebt viel und ist ständig unterwegs, von Hochzeitseinladungen über Hauptstadtbesuche ist alles dabei. Hochzeiten mag ich besonders gerne, da immer viel nach mir gefragt wird und ich mich so wahnsinnig wichtig fühle. Verschiedenste Menschen klopfen an meiner Hütte an oder versuchen mit mir in Kontakt zu treten. Nicht immer reagiere ich darauf, da ich sehr schüchtern bin. Meine Patentante versuchte ständig mit mir zu kommunizieren, aber an diesem Wochenende war der Erschöpfungsgrad vom andauernden Renovierungs- und Daumennuckelstress extrem hoch, deswegen war ich still und habe nur leicht mit dem Kopf genickt. Wenn ich erst mal draussen bin, werde ich sie sicher lautstark begrüssen. Bei meinem Besuch in der Hauptstadt war ich etwas fitter und erwiderte den Handschlag eines Mannes mit einem Fußtritt. In die Hauptstadt fuhren wir mit einer lustigen Tante und zwei Mitfahrern. Insgesamt dauerte die Autofahrt sehr lange und es war sehr heiss im Auto, trotzdem hatten alle Anwesenden viel Spass, denn es wurde sehr viel gelacht, und ich wurde immer leicht geschaukelt, was ich sehr gerne mag.

Momentan erlebe ich auch meine erste Fußballweltmeisterschaft. Mama sagt, dass ich bei den seltenen Tritten sicher kein Fußballer werde. Sie verfolgt extra wegen mir nicht jedes Spiel, da sie denkt, der nervige Unterton eines afrikanischen Blasinstruments während der Übertragung würde mich verblöden, deshalb legt sie immer zur Lärmdämmung mein erstes Stofftier auf ihren Bauch. Es ist ein weisser Affe, der ungefähr so groß ist wie ich. Jeden Abend schläft sie immer sehr gut mit ihm auf ihrem und mit mir in ihrem Bauch ein. Allerdings weiss ich nicht, wie der Affe heisst und Mama weiss es auch noch nicht, da sie, wie sie sagt, noch immer nicht weiss, wie mein echter Name sein wird und der Affe erst nach mir einen Namen bekommt. Fritzi bleibt aber weiterhin mein Spitzname, an den ich mich aber schon so richtig gewöhnt habe. Letzte Woche habe ich auch mein erstes Möbelstück erhalten. Mein Bett sieht laut Mama wie ein Mädchenbett aus, was ja passen würde, denn immerhin bin ich jetzt schon zu 95% ein Mädchen. Ich bin gespannt, ob das so bleibt, momentan wachse ich ja noch wie verrückt. Vielleicht werde ich vor lauter Fußball-WM doch noch ein Junge - es bleibt weiter spannend. Demnächst werde ich zum ersten Mal mit Mama im Meer baden, ich bin aufgeregt, wie sich das anfühlen wird. Bis bald, Fritzi!


Achja, mein Erzeuger war nun, nachdem Mama ihn mal wieder gefragt hatte, wirklich bei einem Fototermin dabei. Er hat das Gesicht verzogen, als er meine Hütte gesehen hat und fand sie komisch. Mama hat nichts anderes erwartet, ich bin beleidigt und meine Patentante würde sagen: "Ach, er ist doch noch ein Kind!"