13. Juli 2010

Der geniale Mitarbeiter


Der geniale Mitarbeiter ist leider in jeder Firma vorhanden und vor der Entdeckung seiner Genialität ein unauffälliger Mensch, der nicht unbedingt untalentiert ist, aber mehr durch flotte Sprüche und cooles Auftreten auffällt, als durch geniale Ideen. Doch das alleine langt ihm nicht. Er will mehr - er will etwas Besonderes sein, der Retter der Firma! Nun muss er alt eingesessene Mitarbeiter von seiner Theorie überzeugen, doch das gelingt ihm meist nicht. Sein Plan geht allerdings auf, wenn der Chef auf seine Innovationen anspringt. Da er sich und seine Genialität gut verkaufen kann, nimmt man ihm seine Professionalität sofort ab. Leider sind seine Neuerungen nicht immer neu, sondern nur besonders gut verpacktes Diebesgut aus dem Internet. Wenn man es nicht mit eigenen Ideen schafft, werden eben Ideen beschafft. Geschulten Kollegen fällt so etwas sofort auf. Da sie nicht so sind wie er, belächeln sie es und wundern sich, dass es sonst niemandem auffällt, gesprochen wird darüber schon, doch nie mit dem Chef.

Ein anderes Talent zeigt er im schlecht machen anderer Kollegen, die seiner Meinung nach nichts können und schon viel zu lange in der Firma sind. Dass er sich selbst trotz seines unglaublichen Talents in einer Firma voller Unbegabter aufhält scheint ihm nicht aufzufallen, getreu dem Motto: Unter Blinden ist der Einäugige König.

Talentierte Menschen duldet er nicht neben sich und rät zu Berufswechsel, da er zu Teamarbeit nicht fähig ist. Sein Ziel ist, ein Team zu führen und möglichst wenig zu arbeiten. Da er meistens erst kurz vor der Mittagspause die Firma zum ersten Mal betritt, bleibt er abends länger und wirkt sehr beschäftigt. Dieses unglaubliche Engagement wird mit Gehaltserhöhungen und Schulterklopfen gewürdigt. Das andere Kollegen die Firma schon um 7.00 betreten, um pünktlich zu gehen, wird dabei meist übersehen und durch theatralisches Auftreten überspielt. Da er nur mit von ihm ausgewählten Menschen zusammenarbeiten kann, werden alle Mitarbeiter um ihn herum ständig ausgetauscht. Keiner bleibt länger als ein Jahr. Es werden Freunde beschäftigt, Kinder von Bekannten und sonst sämtliche Menschen aus seinem Dunstkreis. Je nach Gefallen bleiben sie mal länger mal kürzer.

Die meisten Mitarbeiter wissen nicht so recht was genau um den genialen Menschen herum passiert und was er wirklich macht. Rettet er nun die Firma oder kostet alles um ihn herum soviel, dass die Untalentierten ihn mitfinanzieren? Den meisten ist es auch egal, denn sie haben nichts mit ihm zu tun, da er sich in kompletter Selbstisolation befindet. Seinen Marktwert steigert er mit dem Streuen von Gerüchten um Abwerbungen noch genialerer Firmen in großen Wirtschaftszentren, mit mehr Gehalt und allem drum und dran. Diese unglaublich tollen Angebote nimmt er jedoch nie an.

Aber man kann sich sicher sein, dass er irgendwann mit einem Hubschrauber vom Dach der Firma entführt wird und man ein hohes Lösegeld zahlen muss, um seine geballte Innovationskraft wieder zurückzubekommen.

11. Juli 2010

Warum Aktenzeichen XY mich bis heute prägt


Eine Sendung, die zu Zeiten von Eduard Zimmermann nie verpasst werden durfte, war Aktenzeichen XY ... unglöst. Meine sowieso schon übervorsichtigen Eltern schauten immer wissbegierig, wie man nicht in irgendwelche Fallen tappen kann, wollten wissen, wo all die verschwundenen Menschen sind. Bei Morden ging meine Mutter immer aus dem Zimmer, denn obwohl sie Krimifan ist, kann sie in Bildern gebannte Leichen nicht sehen.

Eines Abend, ich war ca. 8 Jahre alt, XY war tabu für mich, und ich sollte mich wahrscheinlich schon längst im Bett befinden, schlich ich mich ins Wohnzimmer und versteckte mich hinter den Sesseln. Von dort schaute ich still und versteckt mit. Plötzlich wurde die Leiche einer jungen braunhaarigen Frau unter einem Müllsack im Wald aufgedeckt. Sie starrte mich mit offenen Augen an und ich musste leise schreien. Daraufhin wurde ich in meinem Versteck entdeckt und sofort ins Bett gebracht. Ich schlief die Nacht mit der Decke über dem Kopf und war mir sicher, dass mich so böse Verbrecher auf gar keinen Fall entdecken könnten. Manchmal mache ich das heute noch, wenn es in der Wohnung komisch knackt. Oft verfolgte ich noch XY aus meinem Versteck, und es erschien mir immer mysteriös, warum all die verschwundenen Menschen gerade im Fernsehen sind, da sie doch aktuell verschwunden waren. Für mich war das alles eine Art Live-TV. Als ich dann älter wurde, durfte ich auch im Wohnzimmer Platz nehmen und musste die Sendung nicht mehr versteckt verfolgen. Mittlerweile verstand ich auch, dass es Schauspieler waren und nicht die echten Vermissten und Ermordeten, die gerade im Fernsehen zu sehen waren.

Als meine Freundin und ich im Alter von 12 Jahren was ganz Verbotenes tun und eine unglaublich lange Strecke von ca. 5 km aufgrund unglaublicher Faulheit trampen wollten, waren wir schon ein bisschen aufgeregt. Trampen galt laut Herrn Zimmermann als eine Sache, die man nicht tun sollte und vor allem nicht als junges Mädchen. Da wir aber zu zweit waren, machten wir uns keine Gedanken darüber und waren mutig. Zuerst hielt niemand an. Doch dann bremste eine ältere Dame schwungvoll neben uns. Ihr soeben auf dem Flohmarkt gekaufter antiker Schrank machte einen Satz nach vorne und sie schaute uns vorwurfsvoll an. Sie fragte uns mit sorgenvollem Gesicht, was wir denn da machen und erklärte uns, sie habe überhaupt gar keinen Platz, aber sie nehme uns mit, wenn wir ihr versprechen, nie wieder zu trampen. Also quetschten wir uns in ihr beladenes Auto und fuhren mit ihr die 5-Minuten-Strecke. Beim Aussteigen versprachen wir, es nie wieder zu tun und bis heute haben wir es auch nie wieder gemacht.

Jedes Mal allerdings, wenn ich einen Müllsack im Wald sehe, muss ich ihn hochheben um nachzuschauen, ob nicht eine tote braunhaarige Frau darunter liegt.

7. Juli 2010

Fritzi: Mir ist so langweilig!


Mittlerweile bin ich sechs Monate alt, und es wird in meiner Behausung trotz ständigem Renovieren immer enger. Wie ich mich auch drehe und wende, es ist einfach zu wenig Platz. Mamas Organe habe ich schon auf den Dachboden verbannt und befinde mich ständig in Startposition, aber niemand lässt mich raus! Manchmal klopfe ich auch ganz schön kräftig, aber alles wird ignoriert, deshalb versuche ich es mir so gemütlich wie möglich zu machen und schlafe den ganzen Tag oder mache mich aus Protest einfach ganz schwer.

Mama erlebt viel und ist ständig unterwegs, von Hochzeitseinladungen über Hauptstadtbesuche ist alles dabei. Hochzeiten mag ich besonders gerne, da immer viel nach mir gefragt wird und ich mich so wahnsinnig wichtig fühle. Verschiedenste Menschen klopfen an meiner Hütte an oder versuchen mit mir in Kontakt zu treten. Nicht immer reagiere ich darauf, da ich sehr schüchtern bin. Meine Patentante versuchte ständig mit mir zu kommunizieren, aber an diesem Wochenende war der Erschöpfungsgrad vom andauernden Renovierungs- und Daumennuckelstress extrem hoch, deswegen war ich still und habe nur leicht mit dem Kopf genickt. Wenn ich erst mal draussen bin, werde ich sie sicher lautstark begrüssen. Bei meinem Besuch in der Hauptstadt war ich etwas fitter und erwiderte den Handschlag eines Mannes mit einem Fußtritt. In die Hauptstadt fuhren wir mit einer lustigen Tante und zwei Mitfahrern. Insgesamt dauerte die Autofahrt sehr lange und es war sehr heiss im Auto, trotzdem hatten alle Anwesenden viel Spass, denn es wurde sehr viel gelacht, und ich wurde immer leicht geschaukelt, was ich sehr gerne mag.

Momentan erlebe ich auch meine erste Fußballweltmeisterschaft. Mama sagt, dass ich bei den seltenen Tritten sicher kein Fußballer werde. Sie verfolgt extra wegen mir nicht jedes Spiel, da sie denkt, der nervige Unterton eines afrikanischen Blasinstruments während der Übertragung würde mich verblöden, deshalb legt sie immer zur Lärmdämmung mein erstes Stofftier auf ihren Bauch. Es ist ein weisser Affe, der ungefähr so groß ist wie ich. Jeden Abend schläft sie immer sehr gut mit ihm auf ihrem und mit mir in ihrem Bauch ein. Allerdings weiss ich nicht, wie der Affe heisst und Mama weiss es auch noch nicht, da sie, wie sie sagt, noch immer nicht weiss, wie mein echter Name sein wird und der Affe erst nach mir einen Namen bekommt. Fritzi bleibt aber weiterhin mein Spitzname, an den ich mich aber schon so richtig gewöhnt habe. Letzte Woche habe ich auch mein erstes Möbelstück erhalten. Mein Bett sieht laut Mama wie ein Mädchenbett aus, was ja passen würde, denn immerhin bin ich jetzt schon zu 95% ein Mädchen. Ich bin gespannt, ob das so bleibt, momentan wachse ich ja noch wie verrückt. Vielleicht werde ich vor lauter Fußball-WM doch noch ein Junge - es bleibt weiter spannend. Demnächst werde ich zum ersten Mal mit Mama im Meer baden, ich bin aufgeregt, wie sich das anfühlen wird. Bis bald, Fritzi!


Achja, mein Erzeuger war nun, nachdem Mama ihn mal wieder gefragt hatte, wirklich bei einem Fototermin dabei. Er hat das Gesicht verzogen, als er meine Hütte gesehen hat und fand sie komisch. Mama hat nichts anderes erwartet, ich bin beleidigt und meine Patentante würde sagen: "Ach, er ist doch noch ein Kind!"

6. Juli 2010

Männer mit Hand und Fuß


Der Nagelklipser ist ein praktisches Objekt, wenn man es schnell und rustikal mag. Deswegen wird er fast ausschließlich von Männern benutzt. Ordentliche Männer räumen ihr totes Horn auch fein säuberlich in den Mülleimer, andere düngen Pflanzen oder versuchen Vögel damit zu füttern. Ganz wenige feilen allerdings die Nägel in eine für Frauen ansehnliche Form. Die meisten tragen die durch den Knipser entstandenen eckigen Kunstwerke offen zur Schau. Manchmal blasen sie mit waffenähnlich-spitzen Fingernägeln zum Gegenangriff auf die übermanikürten spitzen Plastikfingernägeln mancher Frauen. Manager, Models und sehr weibliche Männer neigen wiederum dazu, ihre Fingernägel zu polieren und in seltensten Fällen mit einem Klarlack zu überziehen. Diese Überpflege wirkt unmännlich und kann mit ein bisschen Dreck unter dem Nagel ausgeglichen werden, doch will Frau von solche einer Hand gekrault werden?

Komplizierter wird es nur bei Fußnägeln. Der bei Männern meist unansehnlich hornige Part wird im Sommer meist gänzlich unbehobelt und gelbnagelig gerne in offenem Schuhwerk zur Schau gestellt. Auch wenn Socken in Sandalen eine modische Beleidigung sind, muss man oft sehr dankbar sein, wenn manche Männer aus ihren Füßen ein Geheimnis machen. Auch bei Fußnägeln greift der Mann wiederum gerne zu seinem liebsten Operationswerkzeug, dem Nagelklipser, der allerdings hier schon mit mehr Kraftaufwand bedient werden muß und bei manchem Horn schon zu einem leichten Unterarmtraining ausartet. Zum Feilen der Hufe kommt der Mann aus mangelnder Dehnbarkeit nie, auch hier sind wieder die unterschiedlichsten Nagelformen zu beobachten: von viereckigen Formen mit eingewachsenen Ecken über missglückte Rundformen bis zu gebirgsähnlichen Verwerfungen.


Liebe Männer, tut uns Frauen einen Gefallen und benutzt den Nagelklipser in Kombination mit einer Feile. So muss trotz starken Interesses, eine assymetrische Nagelform nicht der abschreckende Part an einem Mann sein. Natürlich zählen auch die inneren Werte, aber Frauen achten eben auch auf Hände und Füße.

5. Juli 2010

Von Menschen und Tieren


Menschen, die sich in jemanden verlieben, der über eine längere Zeit ausschließlich mit seinem Hund zusammengelebt hat, werden es schwer haben, denn sie werden nie den Stellenwert des haarigen Gefährten erreichen. Wenn jemand lieb und zärtlich mit dem bellenden Partner umgeht, reagieren Beobachter meist verzückt, obwohl das noch lange nicht heisst, dass er ihnen als Mensch die gleiche Aufmerksamkeit schenken wird. Meistens werden sie sogar übersehen, da sein ganzes Augenmerk dem Vierbeiner gilt. Manchmal werden Verehrer auch gleich vom eifersüchtigen Bello in die Flucht geschlagen, weil dieser weiterhin der uneingeschränkte Herrscher der heimischen Doppelbetthälfte bleiben möchte. In manchem Fällen kann das für beide Beteiligten auch ein Segen sein. Etwas besser ist es mit einer Katze, diese kann zwar auch fürchterlich eifersüchtig sein, ist aber ansonsten meistens selbständig unterwegs und hat oft mehr Interesse an Sofastoffen oder Mäusen, die sie stolz als Liebesbeweise nach Hause bringen.

Deswegen sollte man beim ersten Besuch in der Wohnung der neuen Flamme die Augen offen halten und genau schauen, welches Getier sich hier aufhält und wie es behandelt wird. Sind es Mücken und Hausstaubmilben, ist es ok. Bei Mehlwürmen, Fruchtfliegen und Kakerlaken sollten Sie sofort gehen, denn Sie sind nicht die Putzfrau, die hier offensichtlich gesucht wird. Hamster und ähnliches Kleintier bei Menschen ab 30 Jahren sind auch leicht bedenklich, da pubertär. Ein Trennungstier aus der gescheiterten Ehe oder das Tier des Kindes, das ab und zu zu Besuch ist, können toleriert werden. Abschreckend wird es aber bei Reptilien, die einmal im Monat mit dem linken Auge zwinkern, eine Mücke oder Maus verspeisen, aber ansonsten gefangen in ihrem Glaskäfig glücklich vor sich hinvegetieren. Auch tote Tiere, die ausgestopft in der Glasvitrine stehen oder in Steinen eingeschlossen neben archäologischen Büchern drapiert werden, sollten ein Warnsignal sein. Menschen mit solchen Vorlieben sind meisten nicht fähig ihre Emotionen zu zeigen, da sie innerlich versteinert sind. Auch sollten Sie den Spinnenzerhauer und Schneckenzertreter meiden, denn er ist ein Sadist.

Beobachten Sie also genau, wie ihr Gegenüber mit Tieren umgeht, aber verlieben Sie sich bloss nicht in jemanden, nur weil er besonders liebevoll mit seinem tierischen Weggefährten umgeht, Sie sind kein Tier.

Am besten suchen Sie sich aber jemanden, der Blumen mag, denn wer Blumen gut behandelt, wird auch Sie gut behandeln.