17. Mai 2010

Fritzi: Gedanken eines Embryos


Ich bin Fritzi und bin am 1.1.2010 entstanden. Fritzi ist der erste Name den mir meine Mama gleich 3 Tage nachdem sie mich als Untermieter vermutete gegeben hat. Schnell stelle sich heraus, dass ich weder geplant noch besonders passend in ihr Leben stiess, doch ich wurde vom ersten Augenblick von ihr gewollt. Mein Erzeuger war nicht wirklich von meinem Auftreten erfreut und meinte eines Tages es wäre schlimmer für ihn wenn ich da wäre als wenn ich nicht da wäre was zu bösen Streits zwischen meinen Eltern führte. Bald verliess der Erzeuger mich und meine Mutter, aber für sie stand fest mich zu bekommen egal was auch passiert, allerdings hätte sie mich ohne Arme, Beine und Herzfehler nicht bekommen, da sie das nicht alleine schaffen würde, doch bis jetzt ist alles dran und ich durfte bleiben. Meine Beine sind mittlerweile so groß das ich sie nicht mehr ausstrecken kann und ich liege deswegen meist geklappt, was auch ganz ok ist. Besonders gerne mag ich meinen Daumen, den ich auch bei Fototerminen nicht aus dem Mund nehme. Warum ich überhaupt einmal im Monat fotografiert werden muss verstehe ich nicht, manchmal habe ich darauf überhaupt keine Lust und verstecke mich oder zeige einfach nur meinen Po.

Die Wohnsituation zwischen meinen Eltern war schlecht. Mama schlief zu wenig, was eventuell auch an mir lag und es gab viel lautes Geschrei. Da ich aber meine Konzentration auf Mamas Herzschlag und ihr Bauchblubbern legte bekam ich von allem nicht wirklich etwas mit oder ignorierte es. Manchmal legte sie auch einen Ohrhörer mit Klassik auf meinen Bauch, da ich davon besonders schlau werden soll. Irgendwann wurde Mama ruhiger, tippte viel, telefoniert, lachte wieder und ein warmer Laptop lag ab und zu auf mir drauf. Ein fremder Mann wollte mir unbekannterweise den Namen Lasse geben, doch Mama war sich von Anfang an sicher, dass ich ein Mädchen bin. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn ich zeige mein Geschlecht nicht und mache es anscheinend spannend. Von Tom Oskar über Lena Sue hatte ich schon viele Namen. Mein aktueller ist Louisa, da Mama Namen mag, die man gut abkürzen kann. Lou, sozusagen. Mal sehen ob es dabei bleibt, wahrscheinlich ehr weniger so oft wie sie sich umentscheidet. Mittlerweile wohnen wir bei Eva, der Väterin. Hier geht es uns sehr gut. Eva ist immer sehr besorgt um unser Wohl, freut sich auf mich und kümmert sich gut um uns. Nun sind wir endlich entspannt und ich habe vor Freude einen riesen Wachstumsschub gemacht was für Mama sehr anstrengend war. Meine Wohnhöhle habe ich ausgebaut und nun kann sie mich nicht mehr verstecken, aber sie trägt mich mit Stolz vor sich her. Am Wochenende sind wir auf eine Hochzeit eingeladen und ich stehe bei Mama auf dem Namensschild. Wenn sie tanzt werde ich heimlich mittanzen.

An meinem Geburtstag im September lasse ich die Wände wackeln,
dann geht es erst richtig los!