29. April 2010

Der Buckelschlurfer


Der Buckelschlurfer ist ein Student im Alter zwischen 26 und 45 Jahren, der sich zwischen dem 14. und dem 35. Semester befindet. Er überzeugt durch intelligentes und weltmännisches Auftreten und kann von Börsengesprächen über juristische Problemefälle bis zu seltenen Sportarten überall mitreden. Auf neue Menschen wirkt er altklug und überheblich, da er Dinge gerne ins Lächerliche zieht. Sein Profilierungsdrang ist sehr hoch, da er nichts anderes als seine Intelligenz vorzuweisen hat.


Die Miete seiner Wohngemeinschaft wird von seinen Eltern bezahlt, die jederzeit alles für ihn tun. Bei kaputtem Kühlschrank wird ihm sofort ein neues energiesparendes Modell besorgt und sogar geliefert, denn der Student muss ja lernen und kann sich um solche niedrigen Besorgungen nicht kümmern. Sofern Großeltern oder sonstige ältere Verwandte vorhanden, bezieht er Taschengeld, um sich auch ganz und gar auf sein Studium konzentrieren zu können. So verhilft man dem Kind zur Unselbständigkeit und weiteren Ausdehnung bzw. Vertiefung des Studiums.


Zeitprobleme kennt der Buckelschlurfer nicht. Wenn er nicht lernt oder gegen Studiengebühren protestiert, spielt er bis in die frühen Morgenstunden intelligente strategische Computerspiele. In buckliger Haltung wird konzentriert auf den Monitor gestarrt und abwechselnd zur Kaffeemaschine oder in den Hinterhof zum Rauchen geschlurft. Die Kaffeemaschine spielt eine wichtige Rolle im Leben des Schlurfers, denn nur mit einer Tasse Kaffee pro Stunde kann er seinen anstrengenden Tag überstehen - ist es zu warm für Kaffee wird eine kühle Coke vorgezogen, somit wird eine wunderschöne Zahnfärbung garantiert. Vitamine werden bei ihm nicht überbewertet, denn was in Fertiggerichten nicht drin ist wird auch nicht zu sich genommen. Schon in früher Jugend lernte er, dass er nichts essen muss, was ihm nicht schmeckt. Gut gemeinte Gesundheitstipps lehnt er kategorisch ab, denn er weiss es sowieso besser, wie man an seinem "gesunden Gesamtauftritt" sofort bemerkt. Auch sein Aussehen ist ihm relativ egal. Mit jugendlichem Auftreten lenkt er von dem grauen, ungesund aussehenden, etwas ungepflegt wirkende Gesamteindruck ab.


Menschen mit Zukunftstängsten werden von ihm belächelt, denn er hat in seinem Leben noch nie ein wirkliches Problem erlebt. Tritt allerdings ein unerwartetes Problem auf, welches ihn zum Erwachsenwerden zwingen sollte, ergreift er die Flucht. Durch seine antiautoritäre Erziehung ist er es gewohnt sich jeglicher Verantwortung zu entziehen oder seine Mutter anzurufen, die ihm jederzeit helfend zur Seite steht. Hat er die 40 überschritten findet man solche Schlurfer in Sendungen wie Schwiegertochter gesucht.


Falls Sie sich jemals, aus welchen Gründen auch immer, in einen Buckelschlurfer verlieben sollten, ergreifen sie sofort die Flucht, denn er wird sie vor Ihnen ergreifen sobald ein Problem auftaucht, das ihn zum Erwachsenwerden zwingen sollte.

17. April 2010

Milieustudie: Der Internetjäger


Der Internetjäger befindet sich in bekannten Plattformen wie Studivz, Facebook, Wer-kennt-wen, Lokalisten, hat eine Myspace-Seite, lädt Fotos bei Flickr und Photobucket hoch ohne sie zu sperren, ist einfach überall präsent und lebt ziemlich öffentlich. Er ist typischer Single, der dringend auf der Suche nach mehr Nähe ist, sie aber immer an den weit entferntesten Orten sucht und seltenst in einer ernsthaften längeren Beziehung lebt. Hat man einmal seinen Nickname kann man ihn googeln und so fast überall finden. In extrem langweiligen Phasen seines Lebens meldet er sich sogar bei Singleforen und Tattooforen an, obwohl er nicht das geringste Interesse an Tattoos hat. Ohne diese digitale Vernetzung und Ablenkung ist er gelangweilt und weiss überhaupt nichts mit sich anzufangen, ein Buch in die Hand zu nehmen fällt ihm sehr schwer, obwohl er behauptet sehr belesen zu sein. Dank IPhone und Blackberry ist er auch ohne Laptop mit der Welt vernetzt und lässt jeden an seinem Leben teilhaben. Vielen Dank!

Im Netz geht er täglich auf die Suche nach Frauen, die meistens einem bestimmten Schema entsprechen, sei es sich in einer bestimmten Gruppe der jeweiligen Plattform befinden oder eine gewissen Ähnlichkeit zu einer Exfreundin aufweisen. Nun wird gegruschelt und angestupst was das Zeug hält und bei beidseitigem Interessen ist man sofort befreundet. Diese tiefgreifende Freundschaft setzt sich meisten auf Pinnwänden und im Chat fort, es werden Fotos und Musik ausgetauscht, über das Leben erzählt und sich stets hervorragend präsentiert.

Manchmal entwickeln sich aus solchen Bekanntschaften auch Beziehungen, die dann ebenso öffentlich auf Pinnwänden diverser Foren ausgelebt werden. Als normaler Freund der jeweiligen Person wird man unfreiwilliger Teilnehmer der Beziehung und ist immer besten informiert wie die Lage der Nation ist. Besuchszeiten, Essensvorlieben, peinliche Babysprache, Bade- und Duschzeiten, Reisecountdowns, Knutschfotos und Liebesbekundungen sind nun das tägliche Brot der befreundeten Personen. Einziger Ausweg: das Pärchen sperren, doch dann bekommt man das Ende der öffentlichen Beziehung nicht mit, was meistens auch nicht so tragisch ist.

Läuft es in der Beziehung jedoch schlecht, meldet sich der Jäger mit dem großen Herz in einem anderen Forum an und geht wieder auf die Lauer nach neuen Opfern ohne, wie in dem Forum seiner momentanen Flamme, seinen Beziehungstatus anzugeben. Nun fängt alles wieder von vorne an, und auch trotz noch vorhandener Beziehung wird wild gechattet, besucht und Datenversand betrieben. In diesem Stadium gibt es mehrere beliebte Hauptchatpartner, die manchmal mehr und manchmal weniger Aufmerksamkeit erhalten und irgendwann in Vergessenheit geraten. Meldet sich die in Vergessenheit geratene Person nach mehreren Monaten wieder und besagter Jäger hat eine akute Kennenlernflaute ist sie sofort wieder Top-Friend. Googelt die andere Person nach dem Jäger, kann sie schnell feststellen welche Floskeln er gerne verwendet, denn meisten haben auch diese Personen Zugänge zu Foren durch Freundinnen oder Fake-Accounts. So ist der Weg über Myspace-Seiten zu "Geheimnamen" zu ungesperrten Pinnwänden manchmal ein sehr einfacher und der Jäger gerät schnell ungewollte aber durch seine eigene Leichtsinnigkeit in ein sehr schlechtes Licht.

Jeder sollte sich einmal fangen lassen und den Spaß mitmachen wenn sich die Zeit bietet, denn es ist ein lustiger Zeitvertreib, kann aber bei gesteigerter Erwartung auch zu vielen Problemen führen.

Also: Lieber nicht Waidmannsheil sondern Log out!

16. April 2010

Manche Briefe sollte man nie abschicken...


...aber auf jedenfall aufheben. So auch das Fundstück meines letzten Englandaufenthaltes.

Dear Mrs. Smith-Bottomchamber,

I am writing with regard to my stay in your flat from November until December. When I arrived at your flat on Sunday, you did not open the door for an hour, that is really not a friendly welcoming. After several knocks on the door, you opened. The first thing you told me was how to use the key and that I had to be clean. A further source of irritation is that my room is very cold although the central heating is working in the rest of your house. I am also concerned about the fact that you are not interested in me as a person. I would like to draw your attention to the fact that I am here for talking and learning the language. Otherwise I would have booked a hotel in the centre of London with an TV that could talk to me. Extremly annoying is, that you turn the radio in the kitchen on instead of talking to me during breakfast. The shower of course is also a big problem. It is cold and the water pressure is low, I loose a lot of hair. Even the cat ignores me. Finally I would like to draw your attention to the fact that students are here to learn the language not to the sleep in the cats' room.

I look forward not to hearing from you and not taking anymore students as a guest.

Definitely not sincerely yours, Judith