15. Oktober 2010

Fritzi: Ich heisse jetzt Johanna Luisa

So, ich bin nun schon 5 Wochen alt und komme endlich dazu, mal wieder zu schreiben. Nachdem ich bei Mama ausgezogen bin, heisse ich Johanna Luisa, aber wer mag, kann mich weiterhin Fritzi nennen. 12 Tage zu früh habe ich mein Mietverhältnis fristlos und ohne Vorwarnung gekündigt, weil ich es einfach vor Langeweile und Enge nicht mehr ausgehalten habe. Ausserdem lagen ständig fremde Babys auf meiner Hütte, von denen Mama immer so begeistert war. Da bin ich ganz arg eifersüchtig geworden und habe mir vorgenommen, mich schnell auf den Weg zu machen. Mama hatte sich sehr gut auf meinen Auszug vorbereitet, indem sie auf großen Bällen rumgedopst ist und mit fremden Frauen im Chor geatmet hat. Sie fand das anscheinend sehr lustig, denn sie musste währenddessen immer viel lachen.

Am Tag vor meinem Auszug habe ich mich recht ruhig verhalten und erstmal ein bisschen den Abriss meiner Hütte vorbereitet. Mama war mit ihrer Freundin Kaffee trinken, wobei sie zum ersten Mal etwas Seltsames bemerkte, sich aber nicht weiter Gedanken darüber gemacht hat.
Abends waren Freunde zu Besuch, und Mama hat eine Flasche alkoholfreien Sekt getrunken. Währenddessen habe ich mich weiter unauffällig verhalten. Die anderen sind dann noch tanzen gegangen, aber Mama wollte ihre Kugel nicht mehr so rumschaukeln und ist zu Hause geblieben. Um 2.40 Uhr habe ich dann mit dem Abriss meines Hauses begonnen und meine Wohnblase gesprengt. Wie mit der Hebamme besprochen, ist Mama ruhig geblieben und hat erstmal die Spuren meines Auszuges weggeputzt, den Erzeuger angerufen, der mit dem Taxi kam, und dann ging es ins Krankenhaus. Da waren viele jammernde Frauen. Aber wir mussten erstmal in ein ruhiges Zimmer, da ich erst am Anfang meines Weges war. Da es so dunkel und eng war, habe ich es mir kurzzeitig doch anders überlegt und wollte umkehren, aber meine Wohnung war ja leider schon gesprengt und ich konnte nicht zurück. Irgendwann hat Mama dann ein sehr komisches Gewand anbekommen und musste sich auf ein sehr großes Bett legen. Dann kam die engste Passage, was mich sehr gestresst hat, Mama und den Erzeuger übrigens auch, denn seine Hand wurde gequetscht, und er wurde angeschrien. Doch dann hat sie mich quasi rausgeschossen und sich vorgenommen, dass ich ein Einzelkind bleiben werde, allerdings weiss ich noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finde. Die Tante, die mich um 9.55 Uhr am Ausgang in Empfang genommen hat, meinte nämlich, Mama wäre fürs Kinderkriegen geschaffen, das fand sie blöd, war aber viel zu gestresst, sich wirklich darüber aufzuregen. Sie hat mich dann Mama auf den Bauch gelegt, ich bin hochgekrabbelt und habe sie mit großen Augen angeschaut, sie mich auch. Nachdem ich dann ein schickes Outfit anbekommen habe, sind wir dann zurück in unser altes Zimmer. Mama ist dann vor Begeisterung den ganzen Tag herumgelaufen und hat mich in einem durchsichtigen Plastikwagen stolz durch die Gegend geschoben. Ich war im Gegensatz zu ihr total erschöpft und habe erstmal trotz ständigen Besuchs den ganzen Tag geschlafen. Meine Omas und Opas waren da, Linus, mit dem ich mal verkuppelt werden soll, habe ich auch geortet, allerdings nicht gesehen, nur gerochen. Aber mittlerweile kann ich schon genauso gut furzen wie er.

Nach drei Tagen sind wir dann nach Hause gegangen. Seitdem habe ich ein 24-Stunden Wellnessprogramm mit Animation. Ich brauche nur schreien und alles wird sofort erledigt, Wäscheservice, all-you-can-eat Luxusmilchbar und Ölbad, alles ist vorhanden. Prima! Viel besser als in meiner dunklen alten Behausung. Ausserdem darf ich exklusiv auf Mamas Bauch schlafen, und das hoffentlich für den Rest meines Lebens.


Mama und Papa sind sehr von mir entzückt, auch wenn ich wie eine Kreissäge schreie und laut schnarche. Obwohl sie kein Paar mehr sind, kümmern sie sich gemeinsam um mich, und Mama sagt, dass diese Beziehung das schönste Happy End hat, das man sich vorstellen kann, nämlich MICH!

25. August 2010

Unnatürlich schön!

Eine Sendung, die bei mir regelmäßiges Kopfschütteln verursacht, ist die, in der Menschen meist mit Zahnruinen und wenig Selbstbewusstsein in strahlende Hollywoodstars verwandelt werden. Es handelt sich hierbei meistens um Frauen, die wieder schön für ihren Mann sein wollen. Nun schickt der nicht für anspruchsvolle Kost bekannte TV-Sender die verzweifelten Frauen zu diversen Ärzten zwecks Kiefersanierung, Bauchlappenamputation und Brustrenovierung. Dass man manche auch gleich noch zum Arbeitsamt, Psychotherapeuten, Zahnputzseminar und Fitness- und Ernährungsberater schicken sollte, wird dabei nicht beachtet! Nun wird gesaugt, gemeißelt, geschnippelt und restauriert, was das Zeug hält. Ein weiteres Highlight ist der Einkaufstrip mit einem wahnsinnig kreativen Stilberater, der ihr anstelle flotter Alltagskleidung EIN einziges alltagsuntaugliches Abendkleid in einer für sie im normalen Leben unerschwinglichen Preisklasse kauft. Sehr unpraktisch, denn sie wird ihre Zeit wahrscheinlich weniger auf VIP-Veranstaltungen und in Opernhäusern verbringen, sondern sich eher um die Wohnung im nicht so teuren Stadtteil und um die Erziehung der Kinder kümmern.

Zum Abschluss steht der Besuch bei einem kreativen Frisörteam an, das aus einer unvorteilhaften und schlecht gefärbten Vokuhilafrisur eine unnatürliche Extensionsmähne zaubert. Anschliessend wird die schlechte Haut noch mit Schichten von Make-up vollgespachtelt, falsche Wimpern und Nägel angeklebt und eine bunte Kriegsbemalung aufgepinselt. Nun geht es natürlich ins Schlosshotel – da hält sie sich ja auch sonst immer auf. Dort erwartet die nicht mehr zu erkennende Frau ihre in Verkleidung gesteckte Alltagsfamilie. Was für ein Schock! Wie eine Königin schreitet die renovierte Frau eine Treppe herunter. Nun steht die strahlende Schönheit vor ihrem in einen Anzug gesteckten Frankenstein mit Bierbauch – der Mann, für den sie den Restaurierungsmarathon hingelegt hat. Wie unfair. Will er gar nicht hübsch für sie sein? Welche Qualen muss nun dieser Mann durchmachen, und wie soll er seinen Kindern klarmachen, wer die fremde Frau auf der Treppe ist?

Lieber TV-Sender, zeigen sie doch bitte einmal, wie diese Frau nun im Abendkleid ihrem bierbauchtragenden Ehemann das Mikrowellenessen serviert, und wie ihre Extensions und ihr Hautbild nach einem Jahr aussehen. Da die Zähne meistens ein Gebiss oder Implantate sind, werdend diese am längsten strahlen!

1. August 2010

Fritzi: Am Meer war es schön!


Vor ein paar Wochen war ich zum ersten Mal am Meer. Es war anscheinend ein kaltes Meer, denn Mama hat immer ziemlich lange gebraucht, um ins Wasser zu gehen. Dank der guten Wärmeisolierung meiner Hütte habe ich davon nichts gemerkt. Wenn sie dann endlich nach längerem Jammern im Wasser war, wurde ich durchs Wasser geschippert. Leider habe ich ja keine Fenster an meiner Wohnung und konnte so nur raten, was da draussen zu sehen gewesen wäre. Im nächsten Jahr werde ich vielleicht selbst schon mit Hilfsmitteln im Meer schwimmen, da ich das alleine noch nicht können werde. Einen Schwimmstil namens Delphin fand ich besonders interessant, weil es hoch und runter ging, was mir sehr viel Spass gemacht hat. Meine Hütte bekam während der Zeit einen braunen Aussenanstrich, und ich konnte so richtig gut ausspannen, Mama übrigens auch. Leider war der Urlaub viel zu schnell rum, und wir mussten wieder arbeiten gehen. Da Mama bei der Arbeit ein bisschen weniger redet als sonst, bin ich immer höchst gelangweilt und mache mich öfter bemerkbar. Als Mama ein Grafiktablett kaufen wollte, meinte der Firmencomputermensch, dass sie für so etwas bald eh keine Zeit mehr hätte. Mir gefällt das sehr, wenn ich alle Aufmerksamkeit bekomme.

Nun müssen wir nur noch eine Woche arbeiten gehen, dann beginnt unser Mutterschaftsurlaub. Mama hat schon ganz viele Pläne, was sie in ihrer freien Zeit alles machen will, aber ich denke, ich mache ihr da einen Strich durch die Rechnung, denn schliesslich bekommt sie diesen Urlaub ja wegen mir, und ich habe vor, mich in der nächsten Zeit noch zu verdoppeln, nicht von der Größe, aber vom Gewicht her. Aktuell bin ich 40cm groß und 1900g schwer. Laut der Fotografin oder Frauenärztin, wie sie Mama nennt, bin ich perfekt. Mein Erzeuger war nun auch einmal bei einem Fotoshooting dabei. Er hat sehr viel geredet, was anscheinend normal für ihn ist, aber wenn er soviel redet wie bei dem Besuch, scheint er wirklich aufgeregt gewesen zu sein, meint Mama. Allerdings blieb er ansonsten sehr cool und hat sich viel für meine inneren Organe interessiert. Da ich die Plazenta als Kopfkissen benutze, spürt mich Mama nur, wenn ich extreme Wendungen mache. Als sie mich einmal sehr lange nicht gespürt hat, bekam sie Angst und ging ins Krankenhaus, aber mir geht's ja immer gut, und sie war nach der Untersuchung beruhigt und hat mich gebeten, öfter mal kräftig zuzutreten.


Linus, der Sohn von Mama's Freundin ist nun schon ausgezogen und kommuniziert mit seinen Eltern auf eine andere Art als ich das momentan mache. Ich darf noch nicht ausziehen, habe es auch ehrlich gesagt gar nicht so schnell vor, denn Mama macht schon wieder Vorschriften. Erstens soll ich mich richtig drehen, denn sie will sicher gehen, dass wir auch in der Steinzeit überlebt hätten. Zweitens soll ich mich beeilen, länger als fünf Stunden pressen will sie nicht. Das sind ihre Regeln, aber ich sehe das ganz anders. Ersten weiss ich gar nicht, was richtiges Drehen ist, und zweitens lasse ich mir soviel Zeit, wie ich will, denn hetzen lasse ich mich nicht, auch wenn sie noch so ungeduldig ist. So sieht's aus!

13. Juli 2010

Der geniale Mitarbeiter


Der geniale Mitarbeiter ist leider in jeder Firma vorhanden und vor der Entdeckung seiner Genialität ein unauffälliger Mensch, der nicht unbedingt untalentiert ist, aber mehr durch flotte Sprüche und cooles Auftreten auffällt, als durch geniale Ideen. Doch das alleine langt ihm nicht. Er will mehr - er will etwas Besonderes sein, der Retter der Firma! Nun muss er alt eingesessene Mitarbeiter von seiner Theorie überzeugen, doch das gelingt ihm meist nicht. Sein Plan geht allerdings auf, wenn der Chef auf seine Innovationen anspringt. Da er sich und seine Genialität gut verkaufen kann, nimmt man ihm seine Professionalität sofort ab. Leider sind seine Neuerungen nicht immer neu, sondern nur besonders gut verpacktes Diebesgut aus dem Internet. Wenn man es nicht mit eigenen Ideen schafft, werden eben Ideen beschafft. Geschulten Kollegen fällt so etwas sofort auf. Da sie nicht so sind wie er, belächeln sie es und wundern sich, dass es sonst niemandem auffällt, gesprochen wird darüber schon, doch nie mit dem Chef.

Ein anderes Talent zeigt er im schlecht machen anderer Kollegen, die seiner Meinung nach nichts können und schon viel zu lange in der Firma sind. Dass er sich selbst trotz seines unglaublichen Talents in einer Firma voller Unbegabter aufhält scheint ihm nicht aufzufallen, getreu dem Motto: Unter Blinden ist der Einäugige König.

Talentierte Menschen duldet er nicht neben sich und rät zu Berufswechsel, da er zu Teamarbeit nicht fähig ist. Sein Ziel ist, ein Team zu führen und möglichst wenig zu arbeiten. Da er meistens erst kurz vor der Mittagspause die Firma zum ersten Mal betritt, bleibt er abends länger und wirkt sehr beschäftigt. Dieses unglaubliche Engagement wird mit Gehaltserhöhungen und Schulterklopfen gewürdigt. Das andere Kollegen die Firma schon um 7.00 betreten, um pünktlich zu gehen, wird dabei meist übersehen und durch theatralisches Auftreten überspielt. Da er nur mit von ihm ausgewählten Menschen zusammenarbeiten kann, werden alle Mitarbeiter um ihn herum ständig ausgetauscht. Keiner bleibt länger als ein Jahr. Es werden Freunde beschäftigt, Kinder von Bekannten und sonst sämtliche Menschen aus seinem Dunstkreis. Je nach Gefallen bleiben sie mal länger mal kürzer.

Die meisten Mitarbeiter wissen nicht so recht was genau um den genialen Menschen herum passiert und was er wirklich macht. Rettet er nun die Firma oder kostet alles um ihn herum soviel, dass die Untalentierten ihn mitfinanzieren? Den meisten ist es auch egal, denn sie haben nichts mit ihm zu tun, da er sich in kompletter Selbstisolation befindet. Seinen Marktwert steigert er mit dem Streuen von Gerüchten um Abwerbungen noch genialerer Firmen in großen Wirtschaftszentren, mit mehr Gehalt und allem drum und dran. Diese unglaublich tollen Angebote nimmt er jedoch nie an.

Aber man kann sich sicher sein, dass er irgendwann mit einem Hubschrauber vom Dach der Firma entführt wird und man ein hohes Lösegeld zahlen muss, um seine geballte Innovationskraft wieder zurückzubekommen.

11. Juli 2010

Warum Aktenzeichen XY mich bis heute prägt


Eine Sendung, die zu Zeiten von Eduard Zimmermann nie verpasst werden durfte, war Aktenzeichen XY ... unglöst. Meine sowieso schon übervorsichtigen Eltern schauten immer wissbegierig, wie man nicht in irgendwelche Fallen tappen kann, wollten wissen, wo all die verschwundenen Menschen sind. Bei Morden ging meine Mutter immer aus dem Zimmer, denn obwohl sie Krimifan ist, kann sie in Bildern gebannte Leichen nicht sehen.

Eines Abend, ich war ca. 8 Jahre alt, XY war tabu für mich, und ich sollte mich wahrscheinlich schon längst im Bett befinden, schlich ich mich ins Wohnzimmer und versteckte mich hinter den Sesseln. Von dort schaute ich still und versteckt mit. Plötzlich wurde die Leiche einer jungen braunhaarigen Frau unter einem Müllsack im Wald aufgedeckt. Sie starrte mich mit offenen Augen an und ich musste leise schreien. Daraufhin wurde ich in meinem Versteck entdeckt und sofort ins Bett gebracht. Ich schlief die Nacht mit der Decke über dem Kopf und war mir sicher, dass mich so böse Verbrecher auf gar keinen Fall entdecken könnten. Manchmal mache ich das heute noch, wenn es in der Wohnung komisch knackt. Oft verfolgte ich noch XY aus meinem Versteck, und es erschien mir immer mysteriös, warum all die verschwundenen Menschen gerade im Fernsehen sind, da sie doch aktuell verschwunden waren. Für mich war das alles eine Art Live-TV. Als ich dann älter wurde, durfte ich auch im Wohnzimmer Platz nehmen und musste die Sendung nicht mehr versteckt verfolgen. Mittlerweile verstand ich auch, dass es Schauspieler waren und nicht die echten Vermissten und Ermordeten, die gerade im Fernsehen zu sehen waren.

Als meine Freundin und ich im Alter von 12 Jahren was ganz Verbotenes tun und eine unglaublich lange Strecke von ca. 5 km aufgrund unglaublicher Faulheit trampen wollten, waren wir schon ein bisschen aufgeregt. Trampen galt laut Herrn Zimmermann als eine Sache, die man nicht tun sollte und vor allem nicht als junges Mädchen. Da wir aber zu zweit waren, machten wir uns keine Gedanken darüber und waren mutig. Zuerst hielt niemand an. Doch dann bremste eine ältere Dame schwungvoll neben uns. Ihr soeben auf dem Flohmarkt gekaufter antiker Schrank machte einen Satz nach vorne und sie schaute uns vorwurfsvoll an. Sie fragte uns mit sorgenvollem Gesicht, was wir denn da machen und erklärte uns, sie habe überhaupt gar keinen Platz, aber sie nehme uns mit, wenn wir ihr versprechen, nie wieder zu trampen. Also quetschten wir uns in ihr beladenes Auto und fuhren mit ihr die 5-Minuten-Strecke. Beim Aussteigen versprachen wir, es nie wieder zu tun und bis heute haben wir es auch nie wieder gemacht.

Jedes Mal allerdings, wenn ich einen Müllsack im Wald sehe, muss ich ihn hochheben um nachzuschauen, ob nicht eine tote braunhaarige Frau darunter liegt.

7. Juli 2010

Fritzi: Mir ist so langweilig!


Mittlerweile bin ich sechs Monate alt, und es wird in meiner Behausung trotz ständigem Renovieren immer enger. Wie ich mich auch drehe und wende, es ist einfach zu wenig Platz. Mamas Organe habe ich schon auf den Dachboden verbannt und befinde mich ständig in Startposition, aber niemand lässt mich raus! Manchmal klopfe ich auch ganz schön kräftig, aber alles wird ignoriert, deshalb versuche ich es mir so gemütlich wie möglich zu machen und schlafe den ganzen Tag oder mache mich aus Protest einfach ganz schwer.

Mama erlebt viel und ist ständig unterwegs, von Hochzeitseinladungen über Hauptstadtbesuche ist alles dabei. Hochzeiten mag ich besonders gerne, da immer viel nach mir gefragt wird und ich mich so wahnsinnig wichtig fühle. Verschiedenste Menschen klopfen an meiner Hütte an oder versuchen mit mir in Kontakt zu treten. Nicht immer reagiere ich darauf, da ich sehr schüchtern bin. Meine Patentante versuchte ständig mit mir zu kommunizieren, aber an diesem Wochenende war der Erschöpfungsgrad vom andauernden Renovierungs- und Daumennuckelstress extrem hoch, deswegen war ich still und habe nur leicht mit dem Kopf genickt. Wenn ich erst mal draussen bin, werde ich sie sicher lautstark begrüssen. Bei meinem Besuch in der Hauptstadt war ich etwas fitter und erwiderte den Handschlag eines Mannes mit einem Fußtritt. In die Hauptstadt fuhren wir mit einer lustigen Tante und zwei Mitfahrern. Insgesamt dauerte die Autofahrt sehr lange und es war sehr heiss im Auto, trotzdem hatten alle Anwesenden viel Spass, denn es wurde sehr viel gelacht, und ich wurde immer leicht geschaukelt, was ich sehr gerne mag.

Momentan erlebe ich auch meine erste Fußballweltmeisterschaft. Mama sagt, dass ich bei den seltenen Tritten sicher kein Fußballer werde. Sie verfolgt extra wegen mir nicht jedes Spiel, da sie denkt, der nervige Unterton eines afrikanischen Blasinstruments während der Übertragung würde mich verblöden, deshalb legt sie immer zur Lärmdämmung mein erstes Stofftier auf ihren Bauch. Es ist ein weisser Affe, der ungefähr so groß ist wie ich. Jeden Abend schläft sie immer sehr gut mit ihm auf ihrem und mit mir in ihrem Bauch ein. Allerdings weiss ich nicht, wie der Affe heisst und Mama weiss es auch noch nicht, da sie, wie sie sagt, noch immer nicht weiss, wie mein echter Name sein wird und der Affe erst nach mir einen Namen bekommt. Fritzi bleibt aber weiterhin mein Spitzname, an den ich mich aber schon so richtig gewöhnt habe. Letzte Woche habe ich auch mein erstes Möbelstück erhalten. Mein Bett sieht laut Mama wie ein Mädchenbett aus, was ja passen würde, denn immerhin bin ich jetzt schon zu 95% ein Mädchen. Ich bin gespannt, ob das so bleibt, momentan wachse ich ja noch wie verrückt. Vielleicht werde ich vor lauter Fußball-WM doch noch ein Junge - es bleibt weiter spannend. Demnächst werde ich zum ersten Mal mit Mama im Meer baden, ich bin aufgeregt, wie sich das anfühlen wird. Bis bald, Fritzi!


Achja, mein Erzeuger war nun, nachdem Mama ihn mal wieder gefragt hatte, wirklich bei einem Fototermin dabei. Er hat das Gesicht verzogen, als er meine Hütte gesehen hat und fand sie komisch. Mama hat nichts anderes erwartet, ich bin beleidigt und meine Patentante würde sagen: "Ach, er ist doch noch ein Kind!"

6. Juli 2010

Männer mit Hand und Fuß


Der Nagelklipser ist ein praktisches Objekt, wenn man es schnell und rustikal mag. Deswegen wird er fast ausschließlich von Männern benutzt. Ordentliche Männer räumen ihr totes Horn auch fein säuberlich in den Mülleimer, andere düngen Pflanzen oder versuchen Vögel damit zu füttern. Ganz wenige feilen allerdings die Nägel in eine für Frauen ansehnliche Form. Die meisten tragen die durch den Knipser entstandenen eckigen Kunstwerke offen zur Schau. Manchmal blasen sie mit waffenähnlich-spitzen Fingernägeln zum Gegenangriff auf die übermanikürten spitzen Plastikfingernägeln mancher Frauen. Manager, Models und sehr weibliche Männer neigen wiederum dazu, ihre Fingernägel zu polieren und in seltensten Fällen mit einem Klarlack zu überziehen. Diese Überpflege wirkt unmännlich und kann mit ein bisschen Dreck unter dem Nagel ausgeglichen werden, doch will Frau von solche einer Hand gekrault werden?

Komplizierter wird es nur bei Fußnägeln. Der bei Männern meist unansehnlich hornige Part wird im Sommer meist gänzlich unbehobelt und gelbnagelig gerne in offenem Schuhwerk zur Schau gestellt. Auch wenn Socken in Sandalen eine modische Beleidigung sind, muss man oft sehr dankbar sein, wenn manche Männer aus ihren Füßen ein Geheimnis machen. Auch bei Fußnägeln greift der Mann wiederum gerne zu seinem liebsten Operationswerkzeug, dem Nagelklipser, der allerdings hier schon mit mehr Kraftaufwand bedient werden muß und bei manchem Horn schon zu einem leichten Unterarmtraining ausartet. Zum Feilen der Hufe kommt der Mann aus mangelnder Dehnbarkeit nie, auch hier sind wieder die unterschiedlichsten Nagelformen zu beobachten: von viereckigen Formen mit eingewachsenen Ecken über missglückte Rundformen bis zu gebirgsähnlichen Verwerfungen.


Liebe Männer, tut uns Frauen einen Gefallen und benutzt den Nagelklipser in Kombination mit einer Feile. So muss trotz starken Interesses, eine assymetrische Nagelform nicht der abschreckende Part an einem Mann sein. Natürlich zählen auch die inneren Werte, aber Frauen achten eben auch auf Hände und Füße.

5. Juli 2010

Von Menschen und Tieren


Menschen, die sich in jemanden verlieben, der über eine längere Zeit ausschließlich mit seinem Hund zusammengelebt hat, werden es schwer haben, denn sie werden nie den Stellenwert des haarigen Gefährten erreichen. Wenn jemand lieb und zärtlich mit dem bellenden Partner umgeht, reagieren Beobachter meist verzückt, obwohl das noch lange nicht heisst, dass er ihnen als Mensch die gleiche Aufmerksamkeit schenken wird. Meistens werden sie sogar übersehen, da sein ganzes Augenmerk dem Vierbeiner gilt. Manchmal werden Verehrer auch gleich vom eifersüchtigen Bello in die Flucht geschlagen, weil dieser weiterhin der uneingeschränkte Herrscher der heimischen Doppelbetthälfte bleiben möchte. In manchem Fällen kann das für beide Beteiligten auch ein Segen sein. Etwas besser ist es mit einer Katze, diese kann zwar auch fürchterlich eifersüchtig sein, ist aber ansonsten meistens selbständig unterwegs und hat oft mehr Interesse an Sofastoffen oder Mäusen, die sie stolz als Liebesbeweise nach Hause bringen.

Deswegen sollte man beim ersten Besuch in der Wohnung der neuen Flamme die Augen offen halten und genau schauen, welches Getier sich hier aufhält und wie es behandelt wird. Sind es Mücken und Hausstaubmilben, ist es ok. Bei Mehlwürmen, Fruchtfliegen und Kakerlaken sollten Sie sofort gehen, denn Sie sind nicht die Putzfrau, die hier offensichtlich gesucht wird. Hamster und ähnliches Kleintier bei Menschen ab 30 Jahren sind auch leicht bedenklich, da pubertär. Ein Trennungstier aus der gescheiterten Ehe oder das Tier des Kindes, das ab und zu zu Besuch ist, können toleriert werden. Abschreckend wird es aber bei Reptilien, die einmal im Monat mit dem linken Auge zwinkern, eine Mücke oder Maus verspeisen, aber ansonsten gefangen in ihrem Glaskäfig glücklich vor sich hinvegetieren. Auch tote Tiere, die ausgestopft in der Glasvitrine stehen oder in Steinen eingeschlossen neben archäologischen Büchern drapiert werden, sollten ein Warnsignal sein. Menschen mit solchen Vorlieben sind meisten nicht fähig ihre Emotionen zu zeigen, da sie innerlich versteinert sind. Auch sollten Sie den Spinnenzerhauer und Schneckenzertreter meiden, denn er ist ein Sadist.

Beobachten Sie also genau, wie ihr Gegenüber mit Tieren umgeht, aber verlieben Sie sich bloss nicht in jemanden, nur weil er besonders liebevoll mit seinem tierischen Weggefährten umgeht, Sie sind kein Tier.

Am besten suchen Sie sich aber jemanden, der Blumen mag, denn wer Blumen gut behandelt, wird auch Sie gut behandeln.

24. Juni 2010

Ich lerne noch Computer, ...


... garantiert! Das ist der Satz, den meine Vater schon seit Jahren gerne mal äussert. Doch anstelle es wirklich mal in die Tat umzusetzen, lässt er sich Emails seiner Bekannten an meine Emailadresse schicken und fragt mich, "wie ich die denn dann da rausbekäme" und ob mich das "Geld kosten würde". Sein totales Unverständnis, gepaart mit gleichzeitigem Interesse, bringt mich jedes Mal zum Kopfschütteln und Schmunzeln, denn wie ich meinen Vater kenne, wird er sich damit niemals auseinandersetzen, da sich in seinem Kopf nur Noten befinden. Damals waren es Schulnoten und Musiknoten, nun sind es nur noch letztere. Dass er bis heute meinen Job als Art Directorin trotz mehrmaligem Erklären nicht versteht, ist natürlich ganz klar. Einmal erzählte er stolz, seine Tochter wäre Designerin, und zeigte Bekannten mit geschwollener Brust meine im Alter von 10 Jahren selbgemalte Seidenkrawatte, ein anderes Mal sprach er von Theaterbildern, die ich malen würde, aber daran habe ich mich schon lange gewöhnt. Ausserdem befindet sich im Haushalt meiner Eltern auch gar kein Computer. Das modernste Gerät ist der neue Flatscreen, der sogar ohne Hilfestellung bedient werden kann. Ein ca. 10 Jahre altes Prepaid-Handy, das eher an ein Funkgerät erinnert und zwei schnurlose Telefone, die ebenfalls Handy genannt werden, sind die einzigen anderen relativ modernen Geräte im Haus. Ansonsten befinden sich hier mehr Musikinstrumente als elektrische Geräte.

Bei meinem letzten Besuch im elterlichen Haus wurde ich von ihm daran gehindert, antike Tastaturen längst nicht mehr existierender Computer wegzuschmeissen. Auf meine berechtigte Frage, was er denn damit anstellen wolle, antwortete er mir "tippen üben". Ich war sehr verwundert, da er das ja auf seiner ungefähr 50-jährigen Schreibmaschine mit Farbband kann wie ein Weltmeister und fragte ihn deshalb äusserst verwirrt, was er denn so ohne Computer tippen wolle. Sein genialer Plan war folgender: Tastatur an Steckdose anschliessen, tippen üben. Leider musste ich ihm zu verstehen geben, dass der Anschluss der Tastatur keine Steckdose sei, und er sich eventuell noch einen Stromschlag holen und vor allem nie wirklich sein Getipptes sehen würde. Verwirrt ging er fort, aber die Tastaturen mussten bleiben.

Papa, ich liebe Dich mit allen Deinen Macken. Leider wirst Du diese Worte nie mit der Tastatur empfangen können, deshalb werde ich sie nun entführen, und in einem Plastikgrab verschwinden lassen.

22. Juni 2010

Der Luftspucker


Der Luftspucker ist ein Charmeur. Findet er eine Frau interessant, beginnt sein Feuer zu lodern. Gerade wenn die Frau ihm Klassen überlegen, anfangs misstrauisch und nicht wirklich begeistert von ihm ist, wird seine Luft immer heißer. Nach kürzester Zeit bekundet er, fast ohne sie richtig zu kennen, wie toll sie sei, wie sehr er sie jetzt schon möge und dass er mit ihr über alles reden könne. Je nach Situation oder seelischem Gesamtbild fängt nun auch die Angebetete Feuer, denn sie fühlt sich geschmeichelt und glaubt an das Gute im Mann, denn er macht einen glaubhaften, bodenständigen und normalen Eindruck. Vergessen sind die verrückten, hyperkreativen, hübschen, talentierten Männer, denn diesmal soll es der vermeintlich ganz normale, mit nicht besonders vielen Talenten gesegnete Mann sein.

Schnell kommunizieren beide täglich mehrmals, wobei sich schnell herausstellt, dass der Luftspucker nur in der medialen Welt wirklich Komplimente und Liebesbekundungen spuckt. Täglich sendet er morgendliche Grüße, mittägliche Menübeschreibungen mit nachfolgenden Küssen, viel zu oft denkt er an sie und spät nachts gibt es "Kussis in ihre Nachti". Ausserdem ist er leidenschaftlicher Anhänger des Smileytums. Sogar über solche Verniedlichungen und Smileybebombungen sieht die Frau milde hinweg, denn sie ist mittlerweile total verblendet. Wenn man den Spucker jedoch am Telefon oder leibhaftig vor sich sitzen hat, verhält er sich ehr schüchtern, unsicher, wirkt in jeder Hinsicht klein und langweilt sein Gegenüber. Genau wegen diesem merkwürdigen Verhaltensunterschied zwischen totaler Langeweile und gleichzeitig heißem Interesse verfällt ihm die verwirrte Frau und freut sich, von frühmorgens bis in die späte Nacht mit Botschaften verfolgt zu werden. Tiefgreifend wird diese Beziehung glücklicherweise nie, denn sobald sich der Luftspucker in die Enge getrieben sieht und auf die Ernsthaftigkeit seiner Worte angesprochen wird, wird aus dem heißen Luftstrom ein lindes Lüftchen. Er fühlt sich in dieser Enge nicht wohl und, anstelle von Klartext zu reden, meldet er sich plötzlich seltener und argumentiert nur, wenn man ihn darauf anspricht. Denn gerade weil er die Frau "mehr als nur mag", will er sie näher kennenlernen, es langsam angehen lassen und das macht er, indem er sich nicht mehr meldet. Dieser Widerspruch an sich ist einleuchtend und natürlich sehr logisch!

Sollten Sie jemals auf einen Luftspucker treffen, lassen sie sich anspucken, soweit es Ihnen gut tut, aber gehen sie nach einiger Zeit lieber an der frischen Luft spazieren oder lesen ein aufregendes Buch. Sie verplempern sonst Ihre kostbare Zeit mit leeren Worten. Falls Sie wirklich mal warme Luft benötigen, machen Sie einfach Ihren Föhn an!

28. Mai 2010

Unscharf macht glücklich!


Früher sah ich meine Fehlsichtigkeit als etwas ganz Schreckliches an und fühlte mich mit Brille unglaublich hässlich. Noch dazu regt es mich auf, wenn die Brille aufgrund von Temperaturwechsel anlief oder beim Sport wackelte. Schnell bemerkte ich, dass eine Brille nur in extremem Hohlkreuz bei einem Handstand auf der Nase blieb. Sehr oft wünschte ich mir Scheibenwischer, wenn ich in den Regen kam und einen persönlichen Brillenassistenten, der mir die permanenten Schlieren einfach wegwischte. Einschlafen beim Fernsehen war auch nicht mehr möglich, und in bestimmten Seitenlagen konnte man auch kein Buch lesen. Theoretisch konnte man es schon, aber man lief Gefahr, einen Bügel zu brechen. Auf Konzerten musste man aufpassen, dass einem besonders aktive Fans bei frenetischem Jubel oder euphorischen Tanzeinlagen nicht das Sehgeschirr vom Kopf wischten.

Dann entdeckte ich weiche Kontaktlinsen und wurde ihr wahrscheinlich größter Fan. Ich trug sie manchmal sogar nachts. Wenn ich betrunken heimkam, vergaß ich sie und war einfach glücklich wenn ich morgens aufwachte und gut sah. Nachdem ich die Linsen dann in ihr Wasserbad bettete, war ich eher unglücklich über den Schmerz und die empfindlichen Augen, aber das war es mir wert. Als mein Augenarzt feststellte, dass meine Augen überstrapaziert und durch übertriebenes Linsentragen in Mitleidenschaft gezogen waren, musste ich wieder auf eine Brille umsteigen. Aufgrund modisch schicker Modelle fand ich es nicht mehr schlimm, und eine schicke schwarze Grafikerbrille sollte jeder Art Director wie auch jeder einigermaßen hippe Großstadtmensch in seinem Besitz haben, wie ich einmal in einer Modezeitschrift las. Also beschloss ich mich schrecklich hipp zu fühlen und mich mit Wischen und rutschender Brille abzufinden.

Bald stellte ich fest, dass eine Brille auch zwischenmenschliche Probleme lösen kann. Ein Bekannter setzte seine Brille immer gekonnt in Notfallsituationen ein. Tauchte eine sehr unbeliebte Person in seiner Nähe auf, riss er sich wild die Brille runter. Früher fand ich das albern oder musste jedes Mal schallend lachen. Mittlerweile bin ich selbst Fan dieser effektiven Methode. Letzte Woche bekam ich kurz Besuch von einem unerwünschten Gast. Ich empfing ihn ohne Brille und kniff auch meine Augen nicht zusammen. Aufgrund des äußerst unscharfen Auftritts der Person vergaß ich schnell meinen Groll, allerdings hielt ich, da ich kurzsichtig bin, großen Abstand und entschuldigte dies mit einer ansteckenden Erkältung. So war alles recht entspannt und unscharf.

Aber Vorsicht: Brille auf im Straßenverkehr, auch wenn der Stau sie nervt oder sie den Beifahrer nicht mögen. Und bei der Partnerwahl auf jeden Fall die Brille auflassen, ausziehen kann man sie später immer noch!

17. Mai 2010

Fritzi: Gedanken eines Embryos


Ich bin Fritzi und bin am 1.1.2010 entstanden. Fritzi ist der erste Name den mir meine Mama gleich 3 Tage nachdem sie mich als Untermieter vermutete gegeben hat. Schnell stelle sich heraus, dass ich weder geplant noch besonders passend in ihr Leben stiess, doch ich wurde vom ersten Augenblick von ihr gewollt. Mein Erzeuger war nicht wirklich von meinem Auftreten erfreut und meinte eines Tages es wäre schlimmer für ihn wenn ich da wäre als wenn ich nicht da wäre was zu bösen Streits zwischen meinen Eltern führte. Bald verliess der Erzeuger mich und meine Mutter, aber für sie stand fest mich zu bekommen egal was auch passiert, allerdings hätte sie mich ohne Arme, Beine und Herzfehler nicht bekommen, da sie das nicht alleine schaffen würde, doch bis jetzt ist alles dran und ich durfte bleiben. Meine Beine sind mittlerweile so groß das ich sie nicht mehr ausstrecken kann und ich liege deswegen meist geklappt, was auch ganz ok ist. Besonders gerne mag ich meinen Daumen, den ich auch bei Fototerminen nicht aus dem Mund nehme. Warum ich überhaupt einmal im Monat fotografiert werden muss verstehe ich nicht, manchmal habe ich darauf überhaupt keine Lust und verstecke mich oder zeige einfach nur meinen Po.

Die Wohnsituation zwischen meinen Eltern war schlecht. Mama schlief zu wenig, was eventuell auch an mir lag und es gab viel lautes Geschrei. Da ich aber meine Konzentration auf Mamas Herzschlag und ihr Bauchblubbern legte bekam ich von allem nicht wirklich etwas mit oder ignorierte es. Manchmal legte sie auch einen Ohrhörer mit Klassik auf meinen Bauch, da ich davon besonders schlau werden soll. Irgendwann wurde Mama ruhiger, tippte viel, telefoniert, lachte wieder und ein warmer Laptop lag ab und zu auf mir drauf. Ein fremder Mann wollte mir unbekannterweise den Namen Lasse geben, doch Mama war sich von Anfang an sicher, dass ich ein Mädchen bin. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn ich zeige mein Geschlecht nicht und mache es anscheinend spannend. Von Tom Oskar über Lena Sue hatte ich schon viele Namen. Mein aktueller ist Louisa, da Mama Namen mag, die man gut abkürzen kann. Lou, sozusagen. Mal sehen ob es dabei bleibt, wahrscheinlich ehr weniger so oft wie sie sich umentscheidet. Mittlerweile wohnen wir bei Eva, der Väterin. Hier geht es uns sehr gut. Eva ist immer sehr besorgt um unser Wohl, freut sich auf mich und kümmert sich gut um uns. Nun sind wir endlich entspannt und ich habe vor Freude einen riesen Wachstumsschub gemacht was für Mama sehr anstrengend war. Meine Wohnhöhle habe ich ausgebaut und nun kann sie mich nicht mehr verstecken, aber sie trägt mich mit Stolz vor sich her. Am Wochenende sind wir auf eine Hochzeit eingeladen und ich stehe bei Mama auf dem Namensschild. Wenn sie tanzt werde ich heimlich mittanzen.

An meinem Geburtstag im September lasse ich die Wände wackeln,
dann geht es erst richtig los!

29. April 2010

Der Buckelschlurfer


Der Buckelschlurfer ist ein Student im Alter zwischen 26 und 45 Jahren, der sich zwischen dem 14. und dem 35. Semester befindet. Er überzeugt durch intelligentes und weltmännisches Auftreten und kann von Börsengesprächen über juristische Problemefälle bis zu seltenen Sportarten überall mitreden. Auf neue Menschen wirkt er altklug und überheblich, da er Dinge gerne ins Lächerliche zieht. Sein Profilierungsdrang ist sehr hoch, da er nichts anderes als seine Intelligenz vorzuweisen hat.


Die Miete seiner Wohngemeinschaft wird von seinen Eltern bezahlt, die jederzeit alles für ihn tun. Bei kaputtem Kühlschrank wird ihm sofort ein neues energiesparendes Modell besorgt und sogar geliefert, denn der Student muss ja lernen und kann sich um solche niedrigen Besorgungen nicht kümmern. Sofern Großeltern oder sonstige ältere Verwandte vorhanden, bezieht er Taschengeld, um sich auch ganz und gar auf sein Studium konzentrieren zu können. So verhilft man dem Kind zur Unselbständigkeit und weiteren Ausdehnung bzw. Vertiefung des Studiums.


Zeitprobleme kennt der Buckelschlurfer nicht. Wenn er nicht lernt oder gegen Studiengebühren protestiert, spielt er bis in die frühen Morgenstunden intelligente strategische Computerspiele. In buckliger Haltung wird konzentriert auf den Monitor gestarrt und abwechselnd zur Kaffeemaschine oder in den Hinterhof zum Rauchen geschlurft. Die Kaffeemaschine spielt eine wichtige Rolle im Leben des Schlurfers, denn nur mit einer Tasse Kaffee pro Stunde kann er seinen anstrengenden Tag überstehen - ist es zu warm für Kaffee wird eine kühle Coke vorgezogen, somit wird eine wunderschöne Zahnfärbung garantiert. Vitamine werden bei ihm nicht überbewertet, denn was in Fertiggerichten nicht drin ist wird auch nicht zu sich genommen. Schon in früher Jugend lernte er, dass er nichts essen muss, was ihm nicht schmeckt. Gut gemeinte Gesundheitstipps lehnt er kategorisch ab, denn er weiss es sowieso besser, wie man an seinem "gesunden Gesamtauftritt" sofort bemerkt. Auch sein Aussehen ist ihm relativ egal. Mit jugendlichem Auftreten lenkt er von dem grauen, ungesund aussehenden, etwas ungepflegt wirkende Gesamteindruck ab.


Menschen mit Zukunftstängsten werden von ihm belächelt, denn er hat in seinem Leben noch nie ein wirkliches Problem erlebt. Tritt allerdings ein unerwartetes Problem auf, welches ihn zum Erwachsenwerden zwingen sollte, ergreift er die Flucht. Durch seine antiautoritäre Erziehung ist er es gewohnt sich jeglicher Verantwortung zu entziehen oder seine Mutter anzurufen, die ihm jederzeit helfend zur Seite steht. Hat er die 40 überschritten findet man solche Schlurfer in Sendungen wie Schwiegertochter gesucht.


Falls Sie sich jemals, aus welchen Gründen auch immer, in einen Buckelschlurfer verlieben sollten, ergreifen sie sofort die Flucht, denn er wird sie vor Ihnen ergreifen sobald ein Problem auftaucht, das ihn zum Erwachsenwerden zwingen sollte.

17. April 2010

Milieustudie: Der Internetjäger


Der Internetjäger befindet sich in bekannten Plattformen wie Studivz, Facebook, Wer-kennt-wen, Lokalisten, hat eine Myspace-Seite, lädt Fotos bei Flickr und Photobucket hoch ohne sie zu sperren, ist einfach überall präsent und lebt ziemlich öffentlich. Er ist typischer Single, der dringend auf der Suche nach mehr Nähe ist, sie aber immer an den weit entferntesten Orten sucht und seltenst in einer ernsthaften längeren Beziehung lebt. Hat man einmal seinen Nickname kann man ihn googeln und so fast überall finden. In extrem langweiligen Phasen seines Lebens meldet er sich sogar bei Singleforen und Tattooforen an, obwohl er nicht das geringste Interesse an Tattoos hat. Ohne diese digitale Vernetzung und Ablenkung ist er gelangweilt und weiss überhaupt nichts mit sich anzufangen, ein Buch in die Hand zu nehmen fällt ihm sehr schwer, obwohl er behauptet sehr belesen zu sein. Dank IPhone und Blackberry ist er auch ohne Laptop mit der Welt vernetzt und lässt jeden an seinem Leben teilhaben. Vielen Dank!

Im Netz geht er täglich auf die Suche nach Frauen, die meistens einem bestimmten Schema entsprechen, sei es sich in einer bestimmten Gruppe der jeweiligen Plattform befinden oder eine gewissen Ähnlichkeit zu einer Exfreundin aufweisen. Nun wird gegruschelt und angestupst was das Zeug hält und bei beidseitigem Interessen ist man sofort befreundet. Diese tiefgreifende Freundschaft setzt sich meisten auf Pinnwänden und im Chat fort, es werden Fotos und Musik ausgetauscht, über das Leben erzählt und sich stets hervorragend präsentiert.

Manchmal entwickeln sich aus solchen Bekanntschaften auch Beziehungen, die dann ebenso öffentlich auf Pinnwänden diverser Foren ausgelebt werden. Als normaler Freund der jeweiligen Person wird man unfreiwilliger Teilnehmer der Beziehung und ist immer besten informiert wie die Lage der Nation ist. Besuchszeiten, Essensvorlieben, peinliche Babysprache, Bade- und Duschzeiten, Reisecountdowns, Knutschfotos und Liebesbekundungen sind nun das tägliche Brot der befreundeten Personen. Einziger Ausweg: das Pärchen sperren, doch dann bekommt man das Ende der öffentlichen Beziehung nicht mit, was meistens auch nicht so tragisch ist.

Läuft es in der Beziehung jedoch schlecht, meldet sich der Jäger mit dem großen Herz in einem anderen Forum an und geht wieder auf die Lauer nach neuen Opfern ohne, wie in dem Forum seiner momentanen Flamme, seinen Beziehungstatus anzugeben. Nun fängt alles wieder von vorne an, und auch trotz noch vorhandener Beziehung wird wild gechattet, besucht und Datenversand betrieben. In diesem Stadium gibt es mehrere beliebte Hauptchatpartner, die manchmal mehr und manchmal weniger Aufmerksamkeit erhalten und irgendwann in Vergessenheit geraten. Meldet sich die in Vergessenheit geratene Person nach mehreren Monaten wieder und besagter Jäger hat eine akute Kennenlernflaute ist sie sofort wieder Top-Friend. Googelt die andere Person nach dem Jäger, kann sie schnell feststellen welche Floskeln er gerne verwendet, denn meisten haben auch diese Personen Zugänge zu Foren durch Freundinnen oder Fake-Accounts. So ist der Weg über Myspace-Seiten zu "Geheimnamen" zu ungesperrten Pinnwänden manchmal ein sehr einfacher und der Jäger gerät schnell ungewollte aber durch seine eigene Leichtsinnigkeit in ein sehr schlechtes Licht.

Jeder sollte sich einmal fangen lassen und den Spaß mitmachen wenn sich die Zeit bietet, denn es ist ein lustiger Zeitvertreib, kann aber bei gesteigerter Erwartung auch zu vielen Problemen führen.

Also: Lieber nicht Waidmannsheil sondern Log out!

16. April 2010

Manche Briefe sollte man nie abschicken...


...aber auf jedenfall aufheben. So auch das Fundstück meines letzten Englandaufenthaltes.

Dear Mrs. Smith-Bottomchamber,

I am writing with regard to my stay in your flat from November until December. When I arrived at your flat on Sunday, you did not open the door for an hour, that is really not a friendly welcoming. After several knocks on the door, you opened. The first thing you told me was how to use the key and that I had to be clean. A further source of irritation is that my room is very cold although the central heating is working in the rest of your house. I am also concerned about the fact that you are not interested in me as a person. I would like to draw your attention to the fact that I am here for talking and learning the language. Otherwise I would have booked a hotel in the centre of London with an TV that could talk to me. Extremly annoying is, that you turn the radio in the kitchen on instead of talking to me during breakfast. The shower of course is also a big problem. It is cold and the water pressure is low, I loose a lot of hair. Even the cat ignores me. Finally I would like to draw your attention to the fact that students are here to learn the language not to the sleep in the cats' room.

I look forward not to hearing from you and not taking anymore students as a guest.

Definitely not sincerely yours, Judith